Klassen-Projekt Fahrradparcours: Seniorpartner Rainer Kreye erklärt Moritz (12) und Jule (11) die Hindernisse auf dem Schulhof der Peter-Ustinov-Schule. FOTO: CHRISTOPH ROHDE

VON CHRISTOPH ROHDE (Kieler Nachrichten)

ECKERNFÖRDE. Sie sind alle um die 70, haben eigene Kinder großgezogen und ihre berufliche Laufbahn bereits abgeschlossen: die drei Seniorpartner an der Eckernförder Peter-Ustinov-Schule. Was sie eint, ist die Motivation, Kindern zu helfen, mit Problemen besser zurechtzukommen. Das bedarf häufig großer Geduld. „Doch wenn man mit der Zeit eine Entwicklung feststellt, tut das gut, das zu sehen“, sagt Rudolf Heyers. Heyers ist gemeinsam mit Sigrid und Rainer Kreye Seniorpartner an der Gemeinschaftsschule des Schulzentrums. An diesem Vormittag treffen sich die Schüler der Klasse 5a zu einem Fahrrad-Parcours, um den sicheren Umgang mit dem Zweirad zu stärken. Das ist nicht unbedingt die Aufgabe der Seniorpartner, doch sie nutzen das Projekt, um sich bei den Schülern bekannt zu machen und Vertrauen aufzubauen. „Hier lernen die Kinder die Senioren als helfende Hand kennen“, erläutert Lehrer Matthias Reese. So ist die Schwelle später niedriger, wenn die Jungen und Mädchen einmal die
Unterstützung der Seniorpartner benötigen. Dafür ist donnerstags in den ersten vier Stunden bis 12.30 Uhr im Raum 45 der Schule die Tür immer offen. „Manchmal ist es rappelvoll, manchmal kommen wenige“, weiß Rainer Kreye.
Nicht selten sind es Streitereien, die Kinder zu den Senioren führen. „Von uns wird dann erwartet, dass wir die Richter spielen, aber das tun wir nicht“, sagt Kreye. Wichtiger sind das Gespräch und die richtigen Fragen, mit denen die Schüler behutsam zu Lösungen geführt werden, die sie selbst finden sollen. „Es geht darum: Was könnte ich tun, damit alle besser miteinander klarkommen“, ergänzt Heyers. Brücken zu bauen, das sei das Ziel. Heyers hatte lange als Mathematiker in der IT-Branche gearbeitet und sich auch mit Mediation beschäftigt. „Ich habe etwas gesucht, bei dem ich auch im Ruhestand regelmäßig aktiv sein kann“, erläutert er seine Motivation, Seniorpartner an einer Schule zu sein.
Gerade beim Wechsel von der Grundschule zu einer weiterführenden Schule seien Orientierungshilfen für Kinder wichtig, ist er überzeugt. „In dieser Lebensphase werden neue Freundschaften geknüpft, gibt es aber auch Missverständnisse und Enttäuschungen.“

Die Seniorpartner sind an der Peter-Ustinov-Schule eine zusätzliche Begleitung der Schüler neben der Schulsozialarbeit und den Lehrkräften. „Gerade von den Jüngeren werden wir wie die ,lieben Großeltern’ gesehen“, sagt Kreye. Das erleichtert mitunter den Zugang. Die Gespräche sind vertraulich. Die Kinder können alles erzählen, was sie bedrückt. Für die Gesprächsführung und den sorgsamen Umgang mit dem Gesagten gibt es eine fundierte Ausbildung.
Der Landesverband Schleswig-Holstein der Seniorpartner in School (SiS) sieht großen Bedarf an Schulmediatoren. Gerade die Generation 55 plus verfüge nach ihrer Berufstätigkeit über einen reichen Erfahrungsschatz, der hier für eine sinnvolle Aufgabe eingesetzt werden könne. Für das generationenübergreifende Engagement reichen einmal die Woche vier bis fünf Stunden an einer Schule in Wohnortnähe.
In Eckernförde gibt es bislang nur an der Peter-Ustinov-Schule Seniorpartner. In Rendsburg sind sie an der Altstadtschule und an der Bergschule Fockbek aktiv. Bei entsprechenden Teilnehmern kann das Angebot ausgeweitet werden. Lehrer Reese sagt zu den Seniorpartnern: „Besonders bei Schülern, die ein
Problem-Päckchen mit sich herumtragen, ist es wichtig, dass einfach jemand da ist und zuhört“.

  • Für interessierte Senioren bietet der SiS-Landesverband eine kostenfreie Ausbildung an, um
    ein gutes Lernklima und eine friedliche Streitkultur an Schulen zu fördern. Eine neue Staffel
    über 80 Stunden läuft in drei Blöcken am 4./5. Oktober, 1. bis 4. November und Ende November bis Anfang Dezember in Schleswig. Infos und Anmeldungen unter www.sis-schleswigholstein.de oder bei Angela Lembke, Tel. 01522/8504321.

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